Vox et Spiritus

Tanzpremiere mit Chor und Orchester am 25. April in der Theaterfabrik Blaue Halle
Schon seit einigen Jahren ist eine Tanzproduktion gemeinsam mit dem Opernchor des Mainfranken Theaters ein Wunschprojekt der Tanzsparte, das nun in die Tat umgesetzt wird.

Neben Ballettdirektorin Dominique Dumais wird Gastchoreografin Virginie Brunelle einen der drei Teile des Programms gestalten. Dritter im Bunde ist Tanzensemblemitglied Mirko Ingrao, der erstmals eine Auftragschoreografie entwickelt.
Der musikalische Bogen spannt sich von Henry Purcell und Georg Friedrich Händel bis hin zu Gegenwartskomponisten wie Eric Whitacre und David Lang und lässt das Publikum in unterschiedliche Klangwelten eintauchen. Das Tanzensemble wird für diese Produktion sowohl vom Philharmonischen Orchester unter der Leitung des ersten Kapellmeisters Lutz de Veer als auch dem Opernchor des Mainfranken Theaters unter der Leitung von Chordirektor Paweł Serafin begleitet. Wie der Titel erahnen lässt, liegt der Fokus dabei auf der Stimme (vox) und auf dem Atem (spiritus, auch im Sinn von Geist oder Seele“).

Der Atem ist Sinnbild und Grundvoraussetzung des Lebens. Unser Herzschlag wird durch die Atmung beeinflusst. Somit sind Atmung und Herzkreislauf durch die Bewegung des Körpers unmittelbar miteinander verbunden. Der erste richtige Atemzug eines Neugeborenen ist meist verbunden mit dem ersten Einsatz der Stimme: dem ersten Schrei. Die eigene Stimme ist ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. In der Chormusik geht es darüber hinaus um den Zusammenklang der unterschiedlichen Stimmen. Der lebensbejahende Atem ist wiederum sowohl für einen Chor als auch im Tanz von großer Bedeutung, denn das gemeinsame Atmen schafft Zusammenhalt, schafft das Gefühl eines einheitlichen Körpers des Chores ebenso wie des Tanzensembles. Dabei dient bereits das gemeinsame Atemholen als Einstieg.

Auch die künstlerische Inspiration basiert auf dem Atem: Das lateinische inspirare kann sowohl mit „einatmen“ als auch „göttlich inspiriert“ im Sinne einer „eingehauchten“ Idee verstanden werden.
Da sie eng mit dem vegetativen Nervensystem verbunden ist, hat die Atmung zudem einen großen Einfluss auf die menschlichen Emotionen, von Trauer, Wut und Angst bis hin zu Erleichterung und Freude.

Dem Atem kommt im Tanz natürlich grundsätzlich eine große Bedeutung zu. Die physischen Leistungen sind ohne einen bedachten Einsatz des Atems nicht möglich. Da er in dieser Produktion noch einmal stärker als Thema im Fokus steht, setzen sich die verschiedenen Choreografien von Virginie Brunelle, Mirko Ingrao und Dominique Dumais ganz konkret mit der Wechselwirkung von Bewegung und Atem auseinander. Wie leitet Atem Bewegungen und wie beeinflusst eine Bewegung den Atem? Dadurch entstehen unter anderem viele der Bewegungen in ihrem Ursprung Im Anschluss an die Vorstellung am 7. Juni um 15:00 Uhr lädt das Mainfranken Theater Würzburg in Kooperation mit der Domschule Würzburg zu einem Nachgespräch ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Zusammenspiel von „vox“ (Stimme) und „spiritus“ (Geist), das aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und gemeinsam diskutiert wird. Dabei werden musikalische, tänzerische und religiöse Zugänge miteinander verknüpft, um ein vielschichtiges Verständnis dieses Zusammenspiels zu entwickeln. von der Körpermitte, von Brust und Zwerchfell aus.

Bei einem Duett kann der Atem wiederum als eine Art der Kommunikation zwischen den zwei Tanzenden dienen und Bewegungen initiieren. In Gruppennummern ist der Atem das verbindende Element. Wenn die Gruppe in „einen Atem verfällt“, verschmelzen sie so auch zu einem Körper.

Virginie Brunelle (Mitte) mit ihrer Assistentin Sophie Breton (rechts) | Foto: Anna Dyckers
Gastchoreografin Virginie Brunelle

Für Vox et Spiritus lud Ballettdirektorin Dominique Dumais eine neue Gastchoreografin nach Würzburg ein: Virginie Brunelle startete vor Kurzem mit den Proben im Ballettsaal.
Nach ihrem Abschluss im Jahr 2008 hinterließ Brunelle mit ihrem Debüt Les cuisses à l’écart du coeur, das rasch mit Preisen ausgezeichnet wurde, einen bleibenden Eindruck. Mit Foutrement (2011), Gewinner des Publikumspreises 2017 des CAM-Tournee-Programms, und Complexe des genres (2012), das in Dänemark den Preis des Internationalen Choreografie-Wettbewerbs von Aarhus erhielt, etablierte sie dann ihren unverkennbaren Stil: einen viszeralen Tanzstil, der zugleich roh und einfühlsam ist und das Publikum in Kanada und ganz Europa in seinen Bann zieht. Diese beiden wegweisenden Stücke stehen heute symbolisch für ihr künstlerische Spannweite. Brunelle ist seither international tätig. 2018 lud Eric Gauthier sie ein, für Gauthier Dance Theaterhaus Stuttgart zu choreografi eren. Nach dem Erfolg dieser Zusammenarbeit kehrte sie auch im Januar 2025 nach Stuttgart zurück, um mit den Gauthier Dance Juniors High Moon zu kreieren. Dabei lernte sie Dominique Dumais kennen und wir freuen uns, sie nun am Mainfranken Theater willkommen zu heißen.

PREMIERE Samstag, 25. April | 19:30 Uhr
Theaterfabrik Blaue Halle
Weitere Vorstellungen und Informationen unter mainfrankentheater.de/vox
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